Risiken oder Chancen…

In Diskussionen fällt mir immer wieder die unkritische Nutzung des Begriffs Chance auf.
„Chancen“, deren Nutzen angeblich höher zu bewerten ist, als die Risiken, die auf der anderen Seite der Waagschale stehen.

Mit dieser Argumentslinie werden dann oft waghalsig Projekte in die Diskussion eingebracht – angefangen von einer Kohlenmonoxyd-Pipeline mitten durch ein Wohngebiet, wie sie seit 2009 in Duisburg diskutiert wird oder Atomendlager in einem Salzstock oder jetzt aktuell die Frage der CCS-Technologie, mit der CO2 unter die Erde gepresst werden soll.

Risiken werden aus den Gedanken bei Anbetracht sich bietender Chancen schlicht ausgeblendet. Und wenn´s dann doch in die Hosen geht, dann zahlt der Steuerzahler in der Regel die Zeche des finanziell Abgeltbaren und die Opfer stehen häufig genug alleine da mit ihrem Unglück, welches als unvermeidbarer Schicksalsschlag wegargumentiert wird.

Solche Schadfolgen sind aber keine „unvermeidbaren Schicksalsschläge“, sondern schlicht Schadfolgen eines fehlerhaften – fast verwerflich zu nennenden – Abwägungsprozesses:

Zockerei >> Geld gegen Wahrscheinlichkeit des Schadenseintritts <<
= Zockereien zu Lasten Anderer.

Der gesunde Menschenverstand wird ausgeblendet – es stehen nur noch die Dollarzeichen in den Augen, oder- wie Börsianer sagen „Gier frisst Hirn“…

Bei der Lösung der Fragestellungung Risiken vers. Chancen sehe ich dagegen einen anderen Gedankenansatz als angemessen an.

Zuerst schaue ich mir an, welche Schadfolgen ungünstigenfalls zu erwarten oder denkbar sind. Nicht zuletzt Fukushima hat uns gelehrt, im Ausmalen möglicher Schadensszenarien durchaus kreativ zu sein und Nichts für unmöglich zu erklären.

Dann folgt als Nächstes die Abwägung, ob ich auch bei dem Eintritt von maximalen Schadfolgen meine Entscheidung für ein Projekt guten Gewissens vor mir selbst rechtfertigen könnte.
Wenn nicht, dann hätte ich im Zweifel mit dem Unglück anderer Menschen gezockt. Und genau das ist es, was heutzutage immer wieder von der Industrie oder Finanzwirtschaft gemacht wird.

Das käme für mich allerdings schon aus ethischen Gründen nicht in Frage, womit das fragliche Projekt auch gestorben wäre.

Erst danach – wenn sich die Risiken bei der Abwägung als im Schadensfall tragbar erweisen – kommt die Abwägung ins Spiel, ob die Chancen höher zu bewerten sind, als die Kosten sich verwirklichter Schäden.

In der Wirtschaft behilft man sich dagegen anders.

Riskante Vorhaben werden auf kapitalschwache Tochtergesellschaften ausgelagert, die man im Zweifel pleite gehen lassen kann.
Die Gewinne werde über Beherrschungsverträge an den Mutterkonzern abgeführt, so dass die Mutter als selbständiges Unternehmen immer verdient.

Versicherungen haben auch Obergrenzen der Haftung und da nach der Pleite des Verursachers niemand Anderes dafür haftet, hängt entweder der Staat oder der einzelne geschädigte Bürger in der Haftung, ohne sich selber schadlos halten zu können oder ein unvertretbares Prozessrisiko tragen zu müssen.

Das heißt unter dem Strich, dass mit einem Schadenseintritt durchaus gerechnet und kalkuliert wird. Dieser jedoch Dritten übergeholfen wird.

Risiken zu Lasten Dritter einzugehen ist billig!

Die Folge davon ist die Privatisierung von Gewinnen und die Sozialisierung von Verlusten.

Das darf so nicht bleiben!

Wenn man es der Wirtschaft erlaubt, Risiken zu Lasten Dritter einzugehen, steigt das Risiko eines Schadens und genau an dieser Stelle sind wir wieder bei einem meiner beherrschenden Themen angekommen.

Der Staat als neutraler Schiedsrichter zwischen den Interessen muss für eine gerechte Lastenverteilung zwischen Bürger und Wirtschaft sorgen.

Wer ein Risiko eingeht, sollte dieses auch jederzeit mit eigener Haftung verantworten und bewältigen können. Und wenn das nicht möglich ist, dann ist das Risiko zu groß und muss vom Staat schlicht verboten werden.
Chancen hin oder her!

Dem zu erwartenden Argument der Wirtschaftsfeindlichkeit kann schlicht entgegen gehalten werden, dass es nicht Sinn und Ziel wirtschaftlichen Handelns sein kann, fremde Vermögen – und sei es das des Staates – auszuplündern.
Sonst könnte man der Wirtschaft das Geld gleich hinterherwerfen und bräuchte das schädliche Treiben nicht zu erdulden – hätte also trotzdem noch einen Gewinn.

Die Folge ist die Privatisierung von Gewinnen und die Sozialisierung von Verlusten.

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