Kein gutes Zeichen – eigentlich ein Fall zum Fremdschämen

Zuletzt wurde als Reaktion auf den Anschlag in London vom 23. März die Flagge Großbritanniens auf das Brandenburger Tor projiziert. Die Beleuchtung des Brandenburger Tors mit der Flagge der Länder, in denen Menschen eines Terroranschlags wurden, soll die Anteilnahme der Berliner mit den Opfern ausdrücken, wurde Senatssprecherin Claudia Sünder im TAGESSPIEGEL zitiert.

Gestern riss ein Selbstmordattentäter in der St Petersburger U-Bahn elf Menschen in den Tod und verletzte über 50 zum Teil schwer. Unter den Opfern waren auch Kinder.

Das Brandenburger Tor wurde bedauerlicherweise nicht beleuchtet und die Begründung des Senates überzeugt mich absolut nicht – macht mich in seiner bürokratischen Kaltherzigkeit schlicht sprachlos und auch wütend: „…Um dieses angemessen zu tun, wolle sich Berlin dabei aber auf die Partnerstädte beschränken oder jene Städte, die einen besonderen Bezug zu Berlin haben…“.

Gibt es zwei verschiedene Klassen von Opfern?
Sind die Opfer in St. Petersburg etwa weniger beklagenswert, als in Paris, Nizza, London oder Berlin?
Ist der Terror in St. Petersburg oder Moskau oder irgendeiner anderen russischen Stadt weniger schlimm, als in einer westlichen Stadt?

Es gruselt mich, wenn ich an die verschiedenen Möglichkeiten denke, die in die kaltherzig bürokratisch und unausgegorene Stellungnahme der Senatskanzlei hinein interpretiert werden können.

Gerade in der jetzigen Zeit, wo die Welt aus den Fugen gerät und Konflikte in vielen Ländern grausam eskalieren und allerlei Kriegstreiber versuchen, ihr unappetitliches Süppchen aus den Konflikten zuzubereiten, ist ein Zeichen der warmherzigen Trauer und Solidarität angezeigt und notwendig.

Die Opfer in der U-Bahn sind genauso wie in Nizza, Paris, London oder Berlin Menschen mit mehr oder weniger typischen Alltagsproblemen, Freuden und Trauer gewesen, die durch einen sinnlosen Akt aus dem Kreis ihrer Lieben gerissen wurden. Es gibt keinen Grund, sie herabzuwürdigen – und genau das geschieht durch diese Ungeichbehandlung!

Ja, ich trauere mit den Angehörigen der Opfer und schäme mich auch für das Versagen des Berliner Senates.

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld