AfD und Atomkraft…

Quelle: Nesnad

Schauen wir uns doch mal an, was der blaue Aufsteiger der Parteienlandschaft inhaltlich in der Frage der Energiepolitik zu bieten hat.

Im Grundsatzprogramm der AfD heißt es unter

„…12.6 KERNENERGIE: ALTERNATIVEN ERFORSCHEN. BIS DAHIN LAUFZEITVERLÄNGERUNG

Die Ausstiegsbeschlüsse aus der Kernkraft von 2002 und 2011 waren sachlich nicht begründet und wirtschaftlich schädlich. Solange die Stromversorgung am Ort und zur Zeit der Nachfrage nicht gesichert ist, setzt sich die AfD dafür ein, eine Laufzeitverlängerung der noch in Betrieb befindlichen weltweit sichersten Kernkraftwerke übergangsweise zu gestatten. Das Risiko eines Totalausfalls oder der Import von Strom aus unsichereren ausländischen Kernkraftwerken ist weder für den Wirtschaftsstandort Deutschland noch zur Reduzierung der Risiken durch die Kernkraft eine Alternative…“

 

Die japanischen Regierung soll seit dem Unglück von Fukushima im Jahr 2011 bis jetzt die 170 Mrd. Euro für Dekontamination des verunglückten Kernkraftwerks ausgegeben haben. Und diese gigantischen Aufwendungen haben offenbar keinen nachhaltigen Effekt erzielt.

Nun veröffentliche der verstaatlichte japanische Energiekonzern TEPCO Ergebnisse einer Untersuchung des Reaktors 2 mit Kameras, die einen erschrecken lassen. HEISE-Online meldete in der vergangenen Woche,

“ …dass man aufgrund der Bilder ein ein Quadratmeter großes Loch unter dem Druckbehälter auf dem Wartungsgitter – nicht im Sicherheitscontainment, wie ursprünglich irrtümlich beschrieben – ausgemacht hat. Das bedeutet, dass die geschmolzenen Brennstäbe den Druckkessel gesprengt und auf das Metallgitter gefallen sind. Das Metall hat nach Tepco einen Schmelzpunkt bei 1500 Grad Celsius, so dass sich das heiße radioaktive Material durch das Gitter hindurchgebrannt haben dürfte…“

Weiter

„…Dazu kommt, dass auf den Bildern auch Wassertropfen zu sehen waren. Das Wasser stammt vermutlich aus den Kühlbecken und ist damit sowieso radioaktiv kontaminiert. Ob der Sicherheitsbehälter standgehalten hat, ist noch nicht klar, sollte er Risse oder Löcher haben, würde das Wasser auch in die Erde austreten können.

Dabei war das Problem schon groß genug, wie das nach der Kernschmelze entstandene hochradioaktive Material aus dem Sicherheitsbehälter zur sicheren Endlagerung – für die auch noch kein Plan vorhanden ist – entnommen werden könnte. Entscheiden über die Methode, das Material herauszuholen, wollte man 2018. Jetzt scheint klar zu sein, dass das radioaktive Material nicht nur in den Sicherheitsbehälter, sondern auch nach außen gelangt ist…“.

Am bedrückendsten fand ich die Aussage über die gemessene Radioaktivität:

„…Um zu sehen, ob es sich dabei um Material der Kernschmelze handelt, wurden Messungen vorgenommen, die das Ergebnis der Bildanalyse noch verschärften. Die Radioaktivität in dem Sicherheitsbehälter ist auf 530 Sievert pro Stunde angestiegen und ist damit so hoch wie seit der Kernschmelze nicht mehr. Bislang wurden in dem Behälter seitdem höchstens 73 Sv pro Stunde gemessen. Die Belastung wäre, wenn die Messung zutrifft, extrem hoch und tödlich.

Schon bei einer Aussetzung von einem Sievert beträgt für Menschen das Risiko, an Krebs zu erkranken, mehr als 10 Prozent – das Risiko, an diesem zu sterben, liegt bei 5 Prozent. Schon 6 Sievert lösen eine Strahlenkrankheit aus, die tödlich ist. Bei einer Belastung von 10-20 Sievert tritt der Tod hunderprozentig innerhalb von zwei Wochen und bei über 50 Sievert innerhalb von Stunden ein…“

Die gemessene Strahlendosis ist also fast elfmal so hoch wie jene, bei der der Tod innerhalb von Stunden eintritt.
Noch ein Vergleich – Nach Angaben des Bundesumweltministeriums und des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) beträgt die natürliche Strahlenbelastung in Deutschland mehr als 2 Millisievert pro Jahr (= 2 Tausendstel Sievert..).

Diese Ergebnisse bedeuten nichts anderes, als dass das havarierte Ding in Japan seit 2011 ununterbrochen vor sich hin strahlt, auch das Grundwasser verseucht und auf diesem Weg auch – ohne dass man dagegen irgend etwas tun könnte – nach und nach den Pazifik verseucht.

Das bedeutet überdies, dass sich Radioaktivität im Laufe der Zeit in maritimen Nahrungsmitteln anreichern kann, selbst wenn Greenpeace derzeit aufgrund natürlicher Verdünnungsprozesse noch nicht von einer unmittelbaren Gefahr ausgeht. Weil der Zufluss radioaktiv verseuchten Grundwassers wie geschildert unaufhaltsam andauert, ist der Kontakt mit Meerestieren und damit der Nahrungskette unausweichlich.

Der Blick schweift weiter nach Tschernobyl – Weil die alte Hülle des verunglückten Reaktor in Tschernobyl bröckelte, wurde mit internationaler Hilfe eine neue Hülle gebaut und im November 2016 fertiggestellt. Die soll das havarierte Kraftwerk abdecken, bis der Rückbau gelingt. Als Haltbarkeit werden 100 Jahre erhofft.
Kosten: 1,5 Mrd. Euro. Ob die Haltbarkeit ausreicht, bis gefahrlose Möglichkeiten der Beseitigung des havarierten Reaktors gefunden werden, ist Spekulation.

Als Fazit muss gesagt werden, dass diese Unglücke nicht beherrschbare Folgen nach sich zogen und derzeit auch überhaupt nicht absehbar ist, auf welchem Weg das Problem lösbar werden könnte.

Hinzu kommen die Probleme der Lagerung des in unermesslichen Zeiträumen vor sich hin strahlenden Atommülls.

Wir müssen deswegen im Interesse der Gesundheit unserer Bevölkerung und zukünftiger Lasten für staatliche Haushalte raus aus der Atomkraft.

Zurück zu kommen auf die AfD… Ihr Programm bedeutet nichts anderes, als dass diese angebliche Alternative für unser Land die Bevölkerung nicht nur unseres Landes, sondern auch die Bevölkerung der Nachbarländern ohne Not durch Zurückdrehen der Energiewende unbeherrschbaren Risiken für Gesundheit und Habe aussetzen will, obwohl es zur Kernkraft mittlerweile wirtschaftliche Alternativen gibt.

„Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber.“
Bertolt Brecht

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