„Das muss stimmen … Es steht ja im Internet…!“ ????

Das Internet ist voll von Nachrichten – seriösen und unseriösen; glaubwürdigen und weniger glaubwürdigen oder nicht offenkundig unwahren und unwahren; wissenschaftlichen, pseudowissenschaftlichen und gänzlich frei erfundenen Behauptungen.

In keinem Medium wird so dreist gelogen und Desinformation verbreitet, wie in den sozialen Medien. Das Internet ist DAS Propagandainstrument schlechthin geworden, weil es niedrigschwellig Jedermann das Publizieren von allem erlaubt. Entscheidend ist die Vernetzung des Einzelnen, um einer Nachricht durch vielfaches Teilen über soziale Medien zur entsprechenden Verbreitung zu verhelfen.

Nachrichten erzeugen Stimmungen und Stimmungen sind politisch, denn Stimmungen erzeugen Emotionen… im Guten, wie im Bösen. Soweit es sich um Fragen der Politik handelt, haben wir oft genug erleben müssen, dass meist boshafte Stimmungen verbreitet werden, die am Ende auch in boshafte Handlungen einmünden können.

Die These, dass wir heute in einem postfaktischen Zeitalter leben würden, ist angesichts der zahlreichen Verschwörungstheorien und ihrer vielfachen Anhänger nicht von der Hand zu weisen.

Zum Teil sind diese Nachrichten auch strafbar.

Neuerdings werden zudem sogar bei FACEBOOK automatisierte Kommentare auf die Menschheit losgelassen, die von Menschen verfasst, aber von Robotern über Fake-Accounts verbreitet werden. Damit sollen ganz bewusst Stimmungen manipuliert werden. Wenn der rechte Rand diese Form der Meinungsmache ganz klar als legitim ansieht, merkt man, auf welchem Niveau dort Politik gemacht wird. Ganz klar ist darin auch eine Maßnahme zur Absicherung vor Strafverfolgung zu sehen, weil man einen Roboter nicht strafrechtlich belangen kann, sondern nur denjenigen, der ihn einsetzt. Den-/ diejenige muss man allerdings erstmal ermitteln.

Wie man sieht, stehen vielfältige Möglichkeiten zur Verfügung, Menschen zu manipulieren und hierüber Handlungen zu provozieren. Für den, der sich nicht manipulieren lassen will, habe ich hier ein paar Tipps auf Lager, wie man mit Informationen umgehen und sich gegenüber Falschmeldungen immunisieren kann.

Während meiner Ausbildung habe ich gelernt, dass eine Aussageprüfung in mehreren Teilabschnitten erfolgen sollte. Hierzu bedarf es der Bewertung dreier Begriffe, die dabei eine zentrale Rolle spielen.

  • Da ist zum einen die Glaubhaftigkeit der inhaltlichen Aussage als solche. Kann es gewesen sein, wie geschildert, oder widerspricht die Aussage grundsätzlichen Erfahrungswerten oder der Wissenschaft?
  • Da ist zum anderen die Glaubwürdigkeit. Ist die Quelle der Information glaubwürdig oder nicht?
    Die Glaubwürdigkeit ist an die Quelle selber geknüpft und hat mit dem Inhalt der Nachricht erst einmal nichts zu tun. Dem notorischen Märchenerzähler wird man auch dann nicht glauben, wenn er ausnahmsweise mal die Wahrheit spricht…
  • Kann einer ansonsten glaubwürdigen Quelle auch ein Irrtum unterlaufen sein?

Um einer Aussage Glauben schenken zu können, muss Beides zusammenkommen. Glaubwürdigkeit und Glaubhaftigkeit. Die Frage eines Irrtums wird anschließend geprüft und sollte soweit wie möglich ausgeschlossen sein. Diese Frage wird insbesondere dann relevant, wenn eine glaubhafte Aussage einer glaubwürdigen Quelle widerlegt wurde. Dann stellt sich die Frage, ob bewusst und vorsätzlich gelogen wurde, oder vielleicht ein unvermeidbarer Irrtum vorläge.
Eine vorsätzliche Lüge würde die Glaubwürdigkeit der Quelle nachhaltig beschädigen, ein unvermeidlicher Irrtum dagegen nicht.

Zum Beispiel kann ein erkennbar überstarkes Eigeninteresse an der Verbreitung einer Tatsachenbehauptung durchaus gegen die Glaubwürdigkeit sprechen und zur tiefergehenden Überprüfung motivieren.

Irrtumsanfällig sind grundsätzlich Aussagen aus zweiter Hand. Wenn Person A der integren Person B etwas erzählt und B erzählt das weiter, dann ist die Aussage grundsätzlich kritischer zu betrachten, als wenn B etwas selber erlebt hätte.
Es kann ja sein, dass A gelogen hat und der als Person glaubwürdige B die Unwahrheit nicht bemerkte und infolgedessen die Geschichte von A als Wahrheit weiterverbreitete, obwohl die Geschichte unwahr war.

Irrtümer überprüft man am Besten anhand weiterer Quellen. Soweit die nicht voneinander abgeschrieben haben (…erkennbar an identischem Wortlaut…) deutet ein identischer Tenor schon darauf hin, dass da etwas dran sein könnte, was verbreitet wurde.

In den Bereich der Irrtümer fallen auch Fehlbewertungen von Sachverhalten, die letztlich zu einer falschen Einschätzung führen. So kann durchaus das Fehlen einer Detailinformation dazu führen, dass A dem B einen Sachverhalt mitteilt und hierbei seine fehlerhafte Bewertung mit an den Mann bringt. Merkt das der B nicht und gibt diese Fehlbewertung seinerseits weiter, wird schnell aus einer subjektiven Bewertung eine Pseudo-Tatsachenbehauptung.

Insofern kann ich jeder Mitbürgerin und jedem Mitbürger nur raten, bei Nachrichten, die einen so im Laufe des Tages erreichen, genau hinzuschauen und zu prüfen, bevor man sich selber aus dem Fenster hängt. Nur allzu schnell wird man – wenn man zu häufig daneben lag – zur Märchentante oder Märchenonkel abqualifiziert, obwohl man nichts dafür kann.

Übrigens kann einem das Weiterverbreiten ungeprüfter Gerüchte auch Ärger mit einem Staatsanwalt einbringen.

Ich zitiere hier mal ein paar einschlägige Vorschriften aus dem Strafgesetzbuch:

§ 186 Üble Nachrede

Wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht diese Tatsache erweislich wahr ist, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft

§ 187 Verleumdung

Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

§ 188 Üble Nachrede und Verleumdung gegen Personen des politischen Lebens

(1) Wird gegen eine im politischen Leben des Volkes stehende Person öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine üble Nachrede (§ 186) aus Beweggründen begangen, die mit der Stellung des Beleidigten im öffentlichen Leben zusammenhängen, und ist die Tat geeignet, sein öffentliches Wirken erheblich zu erschweren, so ist die Strafe Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren.

(2) Eine Verleumdung (§ 187) wird unter den gleichen Voraussetzungen mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

§ 189 Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener

Wer das Andenken eines Verstorbenen verunglimpft, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Und dann gibt es noch den § 130 StGB – die Volksverhetzung – eine Vorschrift, die gerade für Hass-Postings im Internet immer wieder angewendet wird.

Daraus folgt:

Erst denken, dann posten!

 

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