Vorstellung der Wettbewerbsergebnisse zum neuen Bernauer Rathaus

IMG_0638[1] Die Stadt Bernau hat einen Architekturwettbewerb für das neue Rathaus ausgelobt, das der wirklich drängenden Raumnot der Verwaltung im Rathaus und den Nebengebäuden ein Ende bereiten soll. Das Gebäude soll am Standort Bürgermeisterstr. 25 entstehen, dessen Erwerb seinerzeit sicherlich nicht zu den Großtaten des ehemaligen Bernauer Bürgermeisters gehörte. Das heute dort stehende Gebäude soll dafür abgerissen werden.
Sicherlich spannend wird dabei noch die Frage werden, wo angesichts der großen Raumnot der Verwaltung die derzeit dort untergebrachten Dienststellen in der Bauzeit beheimatet werden.

In den Wettbewerbsbedingungen wurde folgende Aufgabenstellung ausgelobt:

„…Die Wettbewerbsteilnehmer sind aufgefordert ein Entwurfskonzept zu erarbeiten, welches auf die sensible städtebauliche Situation im  Spannungsfeld zwischen Markt und Kirchplatz reagiert, wo denkmalgeschützte  Einzelbauten früherer Jahrhunderte im Kontrast zur industriellen Bauweise
der 1970er und 1980er Jahre stehen. Gleichzeitig soll es der Bedeutung des  Neuen Rathauses im Zentrum der Stadt Bernau gerecht werden. Bei der  Gestaltung des Bauvorhabens bedürfen die Entwicklung der Kubatur, die  Maßstäblichkeit des Gebäudes sowie die Ausformulierung der Dachlandschaft  und die nutzungsstrukturelle Erdgeschossausbildung einer besonderen
Beachtung.

Es wird ein städtebaulicher Entwurf gewünscht der unter Betrachtung des  gesamten Baufeldes sowie der bestehenden Bau- und Straßenfluchten das  Planungsgebiet nachhaltig und zukunftsweisend ordnet. Die Herausforderung  des Wettbewerbs besteht darin, in einem von architektonischen Kontrasten
geprägten Stadtraum eine funktionelle und gestalterische Lösung zu entwickeln, die zur Aufwertung des bedeutendsten städtebaulichen Bereiches  der Innenstadt von Bernau bei Berlin beiträgt.
Das Neue Rathaus wird seitens des Auslobers als ein modernes, auf die  Besucher und Mitarbeiter der kommunalen Dienststellen zugeschnittenes  Gebäudeensemble gesehen, welches geeignet ist, das Stadtbild an einer  herausgehobenen städtischen Lage zu qualifizieren und gleichzeitig einen
Beitrag zur funktionellen Aufwertung des Standortes sowie zur Funktionsstärkung der Altstadt zu leisten.
Von den Wettbewerbsteilnehmern wird ein architektonisch anspruchsvoller  Entwurf unter dem Aspekt des energieoptimierten Bauens im Sinne eines  innovativen energie- und kosteneffizienten Gebäudekonzeptes nach EnEV 2013  mit einer Unterschreitung um mindestens 5 % bezogen auf die  Neubauanforderungen ab 1.1.2016 erwartet.
Für das Bauvorhaben sind Gesamtbaukosten nach DIN 276 (KG 200-700) in Höhe  von maximal 9 800 000 EUR (brutto) vorgesehen. Der genannte Kostenrahmen ist einzuhalten…“

IMG_0639[1]Gestern wurden die Ergebnisse des Architekturwettbewerbes der Öffentlichkeit vorgestellt. Viel Fachpublikum war dort und die tatsächlich recht gedrängten Verhältnisse im Ratsaal wurden prompt auch von dem Vorsitzenden der Jury, Prof. Jörg Friedrich aus Hamburg, als Beleg für die Notwendigkeit des Baus eines neuen Rathauses herangezogen.

Der Wettbewerb wurde von dem Berliner Büro studioinges gewonnen, dessen Betreiber Stefan Schwirtz, Franceska Saetti und Thomas Bochmann bei der gestrigen Veranstaltung zugegen waren und den Preis vor Presse und Lokalfernsehen entgegen nahmen.

In der zusammenfassenden Betrachtung hat auch mir aus meiner laienhaften Sicht der Siegerentwurf am Besten gefallen. Er fügt sich aus Gebäude gut in die umliegende Bebauung ein, setzt aber eigene moderne Akzente. Es wird durch diesen Blickfang in den verschiedenen Sichtachsen tatsächlich ein optischer Dreiklang zwischen der Marienkirche, dem alten Rathaus und dem neuen Rathaus geschaffen.

Vor dem Rathaus ist ein kleiner Platz vorgesehen und der Ratsaal hat einen in die Fassade eingelassenen Balkon, der in Richtung Marktplatz zeigt. Sicherlich wird dieses Detail den einen oder anderen Raucher unter den Stadtverordneten erfreuen.
Das gedankliche Herumtüfteln anhand der Entwürfe macht ja Spaß. Der große Ratssaal mit einer Höhe von zwei Geschossen könnte zum Beispiel möglicherweise auch tagsüber recht dunkel sein. Aber ich habe allerdings auch keine Idee gehabt, wie man das ändern könnte und von der Lage im Gebäude her finde ich den Ratssaal gut untergebracht.

Mir fiel in der Ausstellung noch ein zweiter Entwurf positiv auf,  bei dem das Rathaus eine geklinkerte Fassade und drei in Richtung Straße zeigende Giebel hatte, welche in der Sichtachse von der Grünstraße zur Marienkirche ein optisches Gegenstück zu dem Giebel des Seitenschiffs der Marienkirche darstellten und von der Fassadengestaltung her auch zur Marienkirche passten.
Diese Idee gefiel mir grundsätzlich ganz gut, selbst wenn ich Kritikern recht geben mussten, die darauf hinwiesen, dass dieser Entwurf besser zur Hamburger Speicherstadt oder nach Stralsund passen würde, aber weniger nach Bernau. Ja… eine interessante Sichtachse alleine reicht wohl eher nicht für einen Siegerentwurf und dieser Baukörper wirkt aufgrund seiner Klinkerfassade doch recht wuchtig.

Andere Entwürfe empfand ich eher langweilig oder abschreckend. Ein Entwurf zum Beispiel hatte Fenster vom Boden bis zur Decke, dass der Sachbearbeiter im Büro in voller Größe von der Straße aus sichtbar ist. In solch einem Büro würde ich nicht arbeiten wollen, weil man sich stets und ständig unter Beobachtung der Straße fühlt.

Alles in allem hatte die Jury doch schon eine gute Hand bei der Auswahl des Siegerentwurfs. Bernau würde bei seiner Realisierung gewinnen und darum geht es ja. Wenn die Entscheidung in der SVV ansteht und mehrere Entwürfe zur Wahl gestellt werden, habe ich meinen ganz klaren Favoriten.

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