Ein interessantes Projekt

MG-Nest2 retouchedDer Beginn des ersten Weltkrieges jährt sich in diesem Jahr zum 100. Mal. Das folgende industrielle Massenabschlachten von Menschen hatte in dieser Dimension noch nie zuvor stattgefunden.

Die Spuren dieses schrecklichen Ereignisses sind auch heute noch in allen größeren und kleineren Ortschaften anhand von Kriegerdenkmalen sichtbar.

Auf den Schlachtfeldern in Belgien, Frankreich und anderswo werden heute noch zahlreiche Blindgänger gefunden, die aufgrund ihres Alters und immer schlechteren Zustandes auch immer gefährlicher werden.

Zeitzeugen sind naturgemäß ausgestorben. Der Interessierte ist auf die Arbeitsergebnisse und Wertungen der Historiker angewiesen.
Hierbei handelt es sich um Betrachtungen „von Außen“ – mehr oder weniger dicht an den Ereignissen dran. Aber die Frage bleibt bei der historischen Betrachtung und Bewertung offen, wie sich der Krieg für die betroffenen Menschen – Soldaten, Zivilisten, Opfer… – anfühlte.

Kriegerdenkmal in Schwanebeck

Ein ganz besonderes Projekt, das auf genau diese Erkenntnislücke abzielt, hat der Hamburger Julian Finn in Angriff genommen.

Sein Urgroßvater Ernst Pauleit trat im Jahr 1913 seinen Wehrdienst an und zog im Sommer 1914 wie viele junge Männer dieser Zeit in den ersten Weltkrieg. Über seine Erlebnisse hatte Ernst Pauleit in insgesamt zehn Bänden Tagebuch geführt und diese im Jahre 1930 in drei Buchbänden zusammengefasst und seinem Sohn – dem Großvater Julian Finns – vermacht.

Auf einem Blog veröffentliche Julian Finn nunmehr dem Wunsch seines Urgroßvaters folgend eine Rekonstruktion der Tagebücher. Die Tagebucheinträge veröffentlicht er in den kommenden vier Jahren jeweils auf den Tag genau 100 Jahre nach den Ereignissen und enthält sich jeden Kommentars, aber auch jeglicher Zensur.
Auf diese Art und Weise entsteht ein sehr individuelles Bild auf die Ereignisse, die (teilweise rassistische…) Denkweise der damaligen Zeit, das aber auch die persönliche Entwicklung Ernst Pauleits zu einem Kriegsgegner nachzeichnet.

Gerade in einer Zeit, wo das Säbelrasseln und Morden in der Ukraine schon wieder vernehmlich wird, betrachte dieses Projekt als kleinen, aber wichtigen, Beitrag zur Bewusstseinsbildung, dass Krieg keine Probleme löst, sondern neue schafft.

Insofern… Danke, Julian Finn!

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