“Raus aus dem Hinterzimmer” – Zum Verhältnis zwischen Politik und Presse…

… wurde am heutigen Abend beim Grünen Bürgerstammtisch in Panketal diskutiert. In kleiner Runde war neben Mitgliedern meiner Partei auch die Chefin der Lokalredaktion der Märkischen Oderzeitung, Frau Sabine Rakitin, erschienen und eine pensionierte Mitarbeiterin des Mitteldeutschen Rundfunks.

Auf der Agenda waren die Fragen
  • Wie ist das Selbstverständnis der Medien?
  • Wo beginnt und wo endet aus Sicht der Presse “guter” Journalismus?
  • Dürfen sich Medien selber “Meinungsmacher” betätigen oder sind sie vielmehr zur strikten Neutralität verpflichtet?

Wir hörten von den beiden Medienvertretern Einiges über die Arbeitsbelastung und Kostendruck in den Printmedien, die sich – wie jedes Wirtschaftsunternehmen – auch nicht vom Zwang zur Wirtschaftlichkeit ausnehmen können, selbst wenn es deutliche Unterschiede des Wirtschaftens zwischen privat finanzierten Verlagen und öffentlich rechtlichem Rundfunk gibt..

Wir erfuhren die Möglichkeiten und Grenzen der Online-Berichterstattung einer Zeitung, die ohne eigene Online-Redaktion auskommen muß. Letztlich ist die Online-Berichterstattung auch abhängig von den zur Verfügung stehenden Ressourcen.

Nach alledem, was Frau Rakitin schilderte, ist die Mitarbeit in einer Lokalredaktion ein harter zeitaufwendiger Knochenjob, bei dem das personell Machbare – nicht das aus sachlicher Sicht Wünschbare – im Vordergrund steht.

Wir bekamen durch die Ausführungen wertvolle Hinweise auf den Weg, wie sich die eigene Pressearbeit auf die öffentliche Wahrnehmung auswirkt.

Natürlich kann sich Presse/ Medien nicht aus der Rolle eines eigenen Akteurs lösen. In jeder Form der Themenauswahl liegt letztlich auch eine Form der eigenen Bewertung. Von daher ist der Wunsch auf völlige Neutralität nicht umsetzbare Illusion. Aber für mich stellte sich dann auch die Frage, ob man eine völlig neutrale Presse wirklich will. Ist nicht auch eine Ausrichtung für den Kunden ein Kaufkriterium?

Andererseits setzt aber eine seriöse und unbestechliche Berichterstattung auch Stehvermögen voraus, weil es selbstverständlich hin und wieder auch Versuche aus der Politik geben soll, Presseberichterstattung im eigenen Sinne zu steuern. Hierzu verdeutlichte Frau Rakitin ihre Auffassung, dass es der Tod des unabhängigen Journalismus wäre, solchen Einflussnahmen nachzugeben, weil einer Einflussnahme grundsätzlich Weitere folgen würden.

Es wurde im Gespräch deutlich, dass in Blogs verlinkte Artikel selbstverständlich für die entsprechende Zeitung willkommene Werbung sind, weil eine Verlinkung die Reichweite der Zeitung erhöht. Andererseits wurde von beiden anwesenden Damen mit Medienhintergrund auch verdeutlicht, dass Blogs in der Regel – weil von Einzelpersonen geführt – schneller sind als Printmedien.

Ich fand es auch bemerkenswert, wie Frau Rakitin zwischen ehrenamtlich tätigen “Feierabendpolitikern” und Berufspolitikern zu unterscheiden wußte. Auch auf ihrer Seite ist durchaus Verständnis für die begrenzten Möglichkeiten des Ehrenamtes deutlich geworden. Gleichwohl wurde auch deutlich, dass Zeitungen natürlich populäre Personen in ihrem Tun auch anders würdigen, als weniger bekannten Personen.
Diesem Manko kann nur durch verstärkt aktive Pressearbeit abgeholfen werden.

Was ich mit Wohlwollen hörte war die Trennung von Anzeigenverkauf und Redaktion bei der MOZ. Abhängigkeiten sollen so vermieden werden, selbst wenn der Anzeigenverkauf eine tragende Rolle der Finanzierung eines Zitungsverlages ist.

Der Abend verging im Fluge. Ich fand die Debatte extrem spannend, detailreich und es ist auf meiner Seite auch Einiges an Verständnis für die Sachzwänge in einer Redaktion gewachsen.